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13 July 2011

Eat, pray, läster - Sinnsuche am Wörthersee

Foto: Ich gemacht, auf dem Wörthersee
Jedes Jahr nehme ich mir vor, beim Bachmannpreis nicht zu lästern. Ich möchte über niemanden herziehen, niemandem die literarische Daseinsberechtigung absprechen, niemanden aufgrund spontan erfundener Kriterien schlechtreden. Dieses Jahr scheitere ich schon am Flughafen, fünfzehn Minuten nach der Landung, und ich mache die nächsten Tage auch kaum etwas anderes, denn das Lästern endet selbst dann nicht, wenn das eigentliche Wettlesen schon längst vorbei ist. Genau genommen endet es nie: Kuriose Fälle der Vergangenheit - Vortragsweisen, vermutete Groschenromanauszüge – bleiben ohnehin im Kopf.

Jedes Jahr verpasse ich die Lesung des Siegertextes. Manchmal aus Versehen wie damals bei Tilmann Ramstedt, meistens aber absichtlich wie dieses Mal im Falle Maja Haderlap: Nach ganzen drei Sätzen ihres Textes setzte ich meine Prioritäten auf eine kalte Gurkensuppe auf dem Klagenfurter Benediktinerplatz. Und das, obwohl ich diesen Jahrgang für einen besseren als beispielsweise den letzten hielt. In aller Regel finde ich zehn von vierzehn vorgetragenen Texten schlecht, im Sinne von: wirklich überhaupt nicht gut genug. Wenn das das Beste ist, was die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu bieten hat, sollte man Sperrbegriffe einführen, alle Fäkalwörter zum Beispiel, deren Verwendung die AutorInnen mindestens für die nächsten zehn Jahre daran hindert, ein Buch zu publizieren, oder sie nach Amerika schicken, damit sie dort lernen, wie gute Dialoge zu schreiben sind.

Und obwohl die Juroren beteuern, stets das „Neue“ zu suchen, stellen sie doch immer nur das Alte zur Diskussion. Es gewinnt zu oft der Ich-erzählte Bericht, am liebsten aus der Perspektive eines Kindes. Aus Liebe zur Kärtner Landschaft könnte ich mit der Entscheidung, der Haderlap diesen Preis zu verleihen, vielleicht leben, aber ich bin am Freitagmorgen zu der absolut unumstößlichen Überzeugung gekommen, dass der mit Abstand beste Text des Jahres von Linus Reichlin verfasst wurde – der es damit nicht einmal auf die Shortlist geschafft hat. Trotz eines erzählerischen Talents, das die Mehrheit der Jury, mit Verlaub, erblassen lassen müsste.

Richard Kämmerlings sieht das auch so, aber vermutlich vor allem aus zu seinem aktuellen Buch passenden marketingtechnischen Gründen. Und sogar die automatische Literaturkritik der Riesenmaschine um Kathrin Passig, selbst Bachmann-Preisträgerin, hat allein anhand vorgefertigter Kriterien erkannt, wem Ruhm und Ehre gebührt hätte; manchmal sind Maschinen kluger Menschen eben doch klüger als kluge Menschen: Reichtum für Reichlin!

Die zweite große Verfehlung neben der Nichtbeachtung Reichlins war die Vernichtung der Antonia Baum, die vermutlich besser in Lumpen und mit kahl rasiertem Schädel angetreten wäre. Hübsche, talentierte junge Frauen scheinen dem Establishment noch immer so suspekt (übrigens sind dies auch Ausschlusskriterien der riesenmaschinellen Auswertung), dass der Unheilsbringer Hubert Winkels, dessen Ruf Antonia Baum gefolgt war, unter einem Donnergrollen aus Hormonstaugerüchten zusammenzucken musste. Ein mutiger Rettungsversuch der Autorin ist in der Online-Ausgabe der FAS abrufbar: Wie ich einmal vorlas.

Der Einzige, dem ich seinen Preis so richtig gönne, ist Steffen Popp, ein Lyrikerkollege aus alten Zeiten und außerdem ein wahrer Stipendiums- und Preismagnet. Trotz seines nölenden Vortrags wurde Steffen Popp der zweite Preis verliehen, der womöglich sogar besser ist als der erste. Es bleibt einem jede Menge Öffentlichkeitsarbeit erspart, und man kann sich schneller wieder ent-arrogantisieren.

Auch Thomas Klupp, der mir aus einer früheren Begegnung sehr nett in Erinnerung geblieben ist, wird sich hoffentlich von seinem Publikumspreis für einen viel zu effekthascherischen Text erholen. Neider munkeln, dass ihm diese Ehre lediglich aufgrund seiner guten Vernetzung unter Gleichaltrigen anheim gefallen sei, was das Prozedere eher zu einem Beliebtheitswettbewerb verkommen ließe. Nicht missverstehen, ich habe sein Debüt Paradiso wirklich sehr gerne gelesen. Warum nur immer diese lachergeile Ficken-Fotze-Kotze-Parabel, die heutzutage nicht nur alle Lesebühnen-, sondern auch alle Coming of Age-Texte ruiniert wie eine einzige Diddl-Maus eine komplette Wohnungseinrichtung?

In der Tat ist Lästern das A und O einer Veranstaltung wie derjenigen in Klagenfurt. Ohne Lästerei keine Jury-Besprechungen, keine journalistischen Kommentare wie dieser, keine Konkurrenz. Selten gibt es Gelegenheit, mit so vielen Experten dieselben Texte zu diskutieren, und noch seltener ist zu erwarten, dass alle Beteiligten dabei einer Meinung sind. Der Sinn einer solchen Veranstaltung kann daher nicht sein, zarte kreative Seelen in Watte zu packen, sondern liegt im Gegenteil darin, das sich selbst erhaltende System aus Autoren, Juroren, Verlegern und Agenten in Frage zu stellen. Und zwar mit Menschen und Texten, die zum Lästern so was von einladen – aus welchen Gründen auch immer.

12 March 2011

lyrikerin im tv

monika rinck musste durfte für die ZEIT ein auftragsgedicht über guttenberg schreiben und das dann noch wie eine doktorarbeit im morgenmagazin verteidigen. das publikum nickt, wenn ich richtig sehe, nur da, wo gott ins spiel kommt. (obwohl mona ungewöhnlich langsam und verständlich spricht.)

die fragen des moderators sind übrigens nicht, wie auf der facebook seite von kookbooks moniert, bescheuert, sondern berechtigt: nicht nur ihr gedicht, auch eine dichterin wird sich dem kontext entsprechend verändern, in dem sie veröffentlicht wird. für's verständnis, aber auch für's geld, das es in solchen fällen ausnahmsweise gibt.

18 January 2011

katharina schultens versus berlin verlag. (text by poet katharina schultens, title by me. text much better than title. read it!)

parcours
vielleicht liegt es daran, daß ich gerade wenig zu tun habe, ich habe nämlich schon seit juni und auch noch bis september frei. wenn ich wenig zu tun habe, rege ich mich generell öfter auf; wenn ich wenig zu tun habe, lese ich zudem mehr, und es ergeben sich zwangsläufig mehr ärgernisse, über die ich mich aufregen kann. ich lese, wenn ich wenig zu tun habe, außerdem nicht nur mehr, sondern auch genauer, und wenn ich genauer lese, rege ich mich erst recht auf. ab und zu finden sich die ärgernisse dann gleich kombiniert und hintereinander. in diesem falle waren es drei - triplebarre nennt man das, glaube ich, in einem parcours? der reihe nach:

ärgernis 1: schlechte pr-texte, die guten verlagen unterlaufen
ich lese zurzeit sämtliche mir auf facebook zugehenden verlagsankündigungen, die ich früher nur überflog, genaustens. es stellt sich heraus, daß manche dieser texte einfach nicht dafür geschrieben werden, um genaustens gelesen zu werden, sondern im gegenteil offensichtlich mit dem kalkül entstehen, daß potentielle leser sich in eile auf die durchaus interessanten primärinformationen konzentrieren und dabei gnädig ignorieren, daß, wie schrieb ich gestern? genau: einige dieser texte klingen, als habe ein_e bedauernswert unterbezahlte_r und nicht besonders sprachbegabte_r praktikant_in sie am ende eines montäglichen schreibmalschnellnochmarathons verfassen müssen.


ärgernis 2: schlechte pr-texte, die guten verlagen unterlaufen, unterlaufen manchmal den eigenen zweck
der berlin verlag nutzt, wie die meisten mit mir 'befreundeten' verlage auf facebook, facebook vorrangig als eine einbahnstraße, auf der sein zielgruppenmarketing unbehelligt zu den 3558 freunden traben kann. dagegen ist auch nichts zu sagen. ich hoffe allerdings, hernach nicht entfreundet zu werden, wenn ich an dieser stelle darauf hinweise, daß man dies vielleicht noch zielgruppengerechter umsetzen könnte als in bestimmten aktuellen formulierungen eben jener oder jenes vermuteten praktikantin/praktikanten, die oder der in regelmäßigen abständen halb angekleidete veranstaltungshinweise auf die straße scheucht. bisher ergibt sich manches mal eine auf lose art deplazierte anwesenheit - vielleicht: ein zylinder, aus einer revue entwendet, um beim dressurreiten getragen zu werden - : die form stimmt nicht ganz. form jedoch ist vielen lyriker_innen nicht ganz unwichtig; den lyrikinteressierten hoffentlich auch nicht.

was etwa darf ich erwarten, wenn der 10. geburtstag der lyrikreihe des berlin verlags mit einem "Lyrik-Parcours" begangen werden soll? ein parcours ist laut definition eine strecke mit vorbereiteten hindernissen, die man im sportlichen ehrgeiz überwinden kann (so denn ehrgeiz und sportlichkeit in ausreichendem maße vorhanden sind). als vorbereitete hindernisse im "Lyrik-Parcours" gibt der berlin verlag, wenn ich richtig lese, "Binnenreim auf der Bühne, Metapher in der Maske, Alliteration im Atrium" an. was soll das bedeuten? darf ich lyrikern beim schminken zuhören? alliteration gibt es nur im atrium, die bühne haben die binnenreime? oder: wenn ich nicht weiß, was eine metapher ist, soll ich gleich fortbleiben, denn es steht nicht zu erwarten, daß ich sie dann spielerisch überwände?

eine solche ankündigung mag vielleicht diejenigen, die sich ohnehin interessieren, nicht davon abhalten, hinzugehen. etwaige neuinteressierte vermutlich schon. lyrik gilt gemeinhin als anstrengend, ob zu recht oder zu unrecht, ist eine andere frage; ich betrachte es jedoch nicht gerade als pr in eigener sache für einen verlag oder jajadielyrikansich!, wenn lyrikveranstaltungen zu geistsportereignissen erklärt werden - von jemandem, der oder die sich offensichtlich selbst vorab sogar für eine teilnahme im publikum disqualifizieren wollte. denn der oder die praktikant_in legt, frei nach erschienenen titeln lyrisierend, noch nach: "Die Autoren Jan Wagner, Björn Kuhligk, Ron Winkler, Elke Schmitter, Matthias Göritz, Matthew Sweeny, Tom Schulz und Tom Bresemann nehmen uns mit auf eine Probebohrung in den Himmel bis zur Oberfläche der Erde und zurück." mehr richtungswechsel im parcours war nie.


ärgernis 3: schlechte pr-texte, die guten verlagen unterlaufen, unterlaufen zwar manchmal den eigenen zweck, erfüllen jedoch als verqueres ablenkungsmanöver versehentlich einen anderen
fast unterlief mir der viel größere lapsus, mich nur über das kleinere ärgernis zu echauffieren - denn ich überlas ob so viel schlechten stils teile des inhalts. vielleicht liegt das auch daran, daß ich mich leidenschaftlich gern über texte aufrege und weniger gern über zustände. texte kann man schließlich ändern, sagt die zynikerin an der bande. zum glück sehen andere das anders, annina etwa, deren blogeinträge und aktivitäten (ihr brief zur spon-kolumnistenauswahl z.b., oder ihre kontinuierlichen girlscanblog-posts) seit einiger zeit dazu führen, daß ich auf zustände des gleichgewichtes achte und mich zustände des ungleichgewichts ärgern. des geschlechter(un)gleichgewichtes in diesem falle. manches mal fange ich gar zwanghaft an, auszuzählen und nach vermeintlichen trends zu fahnden.



und tatsächlich: eine dame darf den obengenannten "Lyrik-Parcours" mitgestalten, während sieben herren beteiligt sind. da stellt sich die frage, ob alle frauen verhindert waren für den betreffenden abend, oder vielmehr diese zusammensetzung das lyrische verlagsprogramm der letzten 10 jahre abbildet? glaubt man der verlagswebseite und der eigenen erinnerung, scheint leider letzteres der fall zu sein. es ergibt sich folgendes zahlenbild, ich hoffe, mich nicht verzählt zu haben [1]:

17 bände, die unter "lyrik" im verlagsprogramm auftauchen, darunter sind
- eine anthologie (der an den - noch bei dumont erschienenen - erfolg von 2003 anknüpfenden band "lyrik von jetzt II")
- ein gemeinschaftsband von zwei autorEN, der neben lyrik auch essays und prosa enthält
- zwei aus dem englischen übersetzte bände, einer zweisprachig; beide stammen von autorEN und wurden von einem autorEN übersetzt.

unter den übrigen 13 lyrikbänden finden sich zwei, die von autorinnen verfaßt wurden, es handelt sich um eva corino und elke schmitter. einer der beiden bände wird im untertitel, ich möchte das zunächst ohne jede wertung anmerken, der kategorie "liebesgedichte" zugeordnet. die noch übrigen 11 bände wurden von sechs autoren verfaßt. dies sind, in der reihenfolge der häufigkeit an publikationen im berlin verlag aufgeführt: 1. jan wagner, 2. björn kuhligk, 3. ron winkler, 4. gerhard falkner, matthias göritz, tom schulz.

um mißverständnissen vorzubeugen: nicht nur steht es jedem verlag frei, sich bewußt auf wenige autoren und autorinnen zu beschränken, nein, ich habe auch keinerlei qualitative einwände gegen dieses programm. vielmehr schätze ich die genannten autorinnen und autoren fast ausnahmslos. einige fragen bleiben jedoch - zum beispiel:

- gab es 2001 keine lyrikerinnen, die in frage kamen?
- gab es auch seither nur zwei autorinnen, die ins lyrikprogramm paßten?
- was kann ich aus der tatsache ableiten, daß jene beiden autorinnen nicht in allererster linie als lyrikerinnen bekannt sind, während dies bei den publizierten autoren durchaus der fall ist? sollte ich etwas daraus ableiten?
- ohne zu spitzfindig werden zu wollen: schreiben also autorinnen liebesgedichte und lyriker gedichte?

zum abschluß: dem berlin verlag einen herzlichen glückwunsch zu 10 jahren lyrikreihe. immerhin haben sie eine solche, gleiches kann noch lange nicht jeder namhafte deutsche verlag von sich behaupten.


anmerkung
[1] zwar begann man die lyrikpublikation im berlin verlag 1998 mit einer frau - allerdings dürfte diese nicht nur aufgrund des zeitpunktes der veröffentlichung nicht unbedingt zur lyrikreihe zählen, deren zehnjähriges man feiert; es handelt sich um margaret atwood, die ich ausklammern möchte. als nächstes erschienen 2000, von gustav seibt herausgegeben, die gedichte michelangelos. auch diesen band unterschlug ich für die obige auswertung.

14 January 2011

me reading @ altes finanzamt


very successful night, that one: surprise visit by ky, got to meet brilliant fellow lit-blogger dirk of hor.de, was asked for an encore of two poems by the audience, earned double the money that john holten of broken dimanche had promised ("it was a good night, that one"), was accompanied by great people, sold a copy of Andosina to a lovely girl from andorra, considered getting back to writing more again. thanks so much for coming to neukölln, everyone, you made my day!

31 December 2010

i, coleoptile

yesterday, i was quite surprised to find in my mailbox a copy of i, coleoptile, ann cotten's new book published by broken dimanche press. it's got interesting black and white photography by kerstin cmelka in it, and, slightly more importantly, ann's poetry. i can't read all this now, but it looks like i'd like it, and i already wonder who enzo is (again: no time to ponder, remember, guess). my favorite line: and so i felt like jelly, like / I had been here before. let's hope i'll get around to writing a proper review sometime.

the people at the residenz verlag, who were kind enough to provide me with a copy of ulrich ladurner's eine nacht in kabul last september already (yes, i have been INTERESTED in this book!), still haven't gotten theirs. but i haven't forgotten about it, and at least i can mention here now that i like the author's dedication to alle, die den krieg nicht hinnehmen.

thank you for remaining patient and have a great 2011!

29 September 2010

can writing schools close market gaps?

DIE ZEIT has an interview with josef haslinger who is both the managing director of the Deutsches Literaturinstitut in Leipzig and also a writer. in that interview he claims that professionally training authors in writing schools like his own is closing a quality gap in german literature. and better yet, he blames us individuals and for-profit literary magazines for not educating younger writers better - in our free time, of course:

"Durch den Niedergang der Gruppen und die Professionalisierung der Zeitschriften, es gibt ja fast keine Autorenzeitschriften mehr, ist eben die Notwendigkeit entstanden, solche Schulen zu haben, in denen Autoren literarische Erfahrungen sammeln können."

i think he purposely ignores economic realities here. people need to go to work these days, unlike in the seventies, when hanging out in smoke filled uni corners was hip. there is not enough governmental funding for literary endeavours. yadda yadda. i'm boring myself with the perpetual sermon of a self-sustaining literary system, no courage to try new things and the ongoing homogenization professionalization of writing styles. he can tell me about his students' striving for originality all he wants - they voluntarily entered an institution whose aim it is to prepare them for a literary market that resorts to celebrating people like helene hegemann for originality. good for her, i guess, that at least she never attended a factory school like that. in any case, a better title for this post would have been "writing schools must close market gaps or else they'll be shut".

18 September 2010

strohfeuer

last night i attended my first literary event in forever (after an unsuccessful try on thursday, when we had originally planned to visit the literaturwerkstatt for the klagenfurt-nachlese but spontaneously decided to go for dinner instead): sascha lobo's premiere reading of his novel Strohfeuer. at a whopping 8€, cover charge wasn't cheap for all those who had missed the chance of getting free admission via sascha's twitter, and you know i get very displeased when unhappy with prices. and now comes the but: sascha's reading was one of the most entertaining and diverting i had been to in a long time. in spite of lots of funny car content, which i thought to be the new cat content - or as kathrin put it, cat content for men - and in spite of frequent mentions of hitler and piglets. the latter somewhat reminded me of toni mahoni's recent book Gebratene Störche, but that must have been a coincidence, since toni's book came out only in february of this year and so Sascha couldn't have known, as his should have already been in print at that time. other comparisons included beigbeder's 39,90 - that i remember from working at hugendubel in frankfurt am main, checking out over and over in the fall and winter of 2001. "just a similar topic", in sascha's eyes, and anyways, he couldn't have written his book ten years ago, he first needed some personal distance from the business and bubble and all. and while strohfeuer certainly hasn't reinvented the literary wheel, the excerpts that freshly dyed sascha read were well-written and fun to listen to. rumor has it the first chaper is weak, though, so when at the book store: just skip it. ;)

29 June 2010

my poem 'verkippung' on fixpoetry.com

robert monat interpreted and discussed my poem verkippung on fixpoetry. thanks for that, robert!

08 June 2010

katharina schultens über die geschlechter in ihrer lyrik

rasch hingeworfen etwas zur geschlechterproblematik 'in der lyrik' oder zumindest in meiner, in reaktion auf die frage von annina:

0. VORBMERKUNG: 2006 lasen ein freund und ich in einem hildesheimer lyrikseminar mit recht lyrikunkundigen erstsemestern (=letzter kontakt oberstufentrakl) die damals neueren texte (rinck, scho, falb, kuhligk, wagner, jackson, utler,.... etc pp). ganz zu beginn quer ausgewähltes, bewußt ambivalente texte, ohne den/die autor/in zu benennen - probehalber baten wir das seminar zu sortieren, ob der text jeweils von einem mann oder einer frau geschrieben worden sei. trefferquote 90%, würde ich sagen. these: es gibt auch in der lyrik nur wenige, denen man ihr geschlecht nicht an- bzw abliest - das sind übrigens oft die wirklich guten unter uns - und die wiederum sind dann meist so eigen, daß man sie anderweitig erkennt, ton eben.

ums zu personalisieren, denn mich hat das schon unfreiwillig umgetrieben: mir ist mehrfach unterstellt worden, ich beschäftige mich mit 'der geschlechterproblematik'. jetzt von den sachen bis ca 2005 mal abgesehen - diese bitte ausklammern, auch gerade die im artikel verlinkten, die teils von 1998 stammen - war das schlimm für mich insofern, als daß ich spätestens seit meinem studienjahr in den staaten echtes beef etwa mit der feministischen und postfeministischen literatur hatte, die wir dort exzessiv lasen. die bella dann schrieb anlässlich der veröffentlichung von 2006er texten gar etwas über die "beleuchtung des unbehagens der geschlechter" - was vielleicht noch immer nicht falsch war, damals, mich aber latent genervt hat, da mir das, so banal meine sachen manchmal sein mögen, doch zu sehr verflacht.

(dabei muß man manchmal nur einen noch zu deutlich erkennbaren impetus im überarbeitungsprozeß loswerden, und schon ist nichts mehr fix, der text offen in ganz andere richtungen. das nebenbei.)

ich sehe übrigens auch mit schrecken etwaigen (so welche zustande kommen) kritiken zum kommenden buch entgegen, da ich ahne, in welche ecke gerade die herren rezensenten das im zweifel packen könnten, es gibt ja nur zwei: mädchendings und emanzenschranze - und ich meine bzw will in meinen sachen mittlerweile etwas ganz anderes unternehmen, eigentlich nämlich, wenn ich in vielem schon nicht drumherum zu kommen scheine, unterschiedliche herangehensweisen testen - schlagworte:

1. MINNE: klar, texte ÜBER jungs, so wie jungs umgekehrt reihenweise seit jahrhunderten mädchenminne schreiben dürfen - und es eben auch so etwas wie eine jungsschönheit gibt. die aber meist nur von älteren herren beschrieben (von norbert bisky gemalt...) wird, ich kenne wenig ätherisches über jungs, das nicht in den kitsch rutscht - und auch aus dem manuskript hat mir ein freundlich gesinnter lektor jetzt den einzig wirklich geschwärmten jungstext eliminiert, obgleich über mädchen teils weitaus grenzwertigeres veröffentlicht und gelesen wird. nunja. [disclaimer: ich spreche von 'jungs' und 'mädchen' ganz bewußt, nicht von männern und frauen. auch das ist ein symptom.]

2. MASKEN: texte, die das konzept rollenprosa ins lyrische zu übersetzen suchen, vielleicht, per tonfall. da war und ist perspektivwechsel insofern schwierig, als daß es oft bösartig seitliche imitation wird - und die dann in etwas intimeres zu überführen, ohne versehentlich reine parodie zu fahren oder doch umzuschlagen, hmm. woher weiß man denn, will man denn wissen, etc. auch ist mir noch unklar, wie viel einzeltypisierung (inkl. pars pro toto) und wie viel verallgemeinerung - = eine haltung (oder besser: geste?), die ja nicht geschlechtsspezifisch sein muß, auch generation sein kann, siehe symptomatik - anteilig enthalten sind und wie ich das trennscharf kriege. kriegen sollte. daran laboriere ich grad in der überarbeitung des manuskripts, zumal mir diese aufteilungsoption erst vor kurzem klar (gemacht) wurde.

3. GESTEN (prozessual gedacht): hier hab ich den begriff noch nicht, den ich bräuchte - generell gehts da ineinander über. denn das sind dann eher texte, die konzeptionell und auch in der methodik an einem thinking at the edge kratzen, das, was ich unter "bewußtseinsprotokoll" treffend subsumiert finde - da löst sich es auf, aber selbst da tauchen eben die masken von oben wieder auf und ein, denn die legen wir ja im traum bzw. am rand auch nicht ab (zwiebelschalen). improvisierte räume sind das - oft -, temporäre behausung, zelte auf dem kompromiss.

vielleicht geht es mir insgesamt bloß um sprechhaltungen, bzw ob und wie man die überhaupt beanspruchen, einnehmen kann - unterlaufen wäre schon anmaßend?

[disclaimer nr. 2: nicht, daß dieser schnelle versuch mir nun als poetik ausgelegt wird, bitte, dafür ist er zu flach gedacht. es gibt eine antizipierende und nur von einem diplomkomittee je gelesene poetik von 2005/06, die noch extrem von mädchenemphase getragen wird, aber den ausstehenden prozeß schon ganz gut voraussieht, klärung schon vorweg nimmt, ein text, an den ich mal ran müsste - merkwürdig insofern, als daß vieles projeziert wird, das erst mit verspätung dann in texten auftaucht, jahre später - ]

jedenfalls: großen dank an annina für den anstoß, den ich brauchte, um dann doch einmal grobzusortieren.

(ps: gierstabil, im übrigen, ist kein neologismus, sondern ein begriff aus der nautik.) 



© dieser text wurde im juni 2010 von katharina schultens für WOAW verfasst. ich bedanke mich herzlich.

07 June 2010

poets' corner: neukölln

da ich in eile bin, gibt es den kommentar zur neuköllner poets' corner lesung der literaturwerkstatt heute ausnahmsweise auf deutsch.

brigitte struzyk irritiert das publikum mit einer wilhelm busch adaption fürs theater neuköllner ghetto. ohren zu und durch.

benedikt wahner (leider habe ich keinen brauchbaren link zu ihm gefunden) hat feministische post-porn theorien studiert und macht uns die hilde domin: jedes gedicht wird zweimal gelesen, und zwar halb gesäuselt und halb gerappt. sein 'porn poem 102' ist ein mash-up aus britney's gimme more und dem meistgesehenen porno auf youporn, und dabei eher eine audio-installation als ein gedicht. alles schön und gut, der einzige wermutstropfen ist sein starker deutscher akzent, der das verständnis der von ihm verwendeten anglizismen erschwert. 

katharina schultens, die nach ihrer lesung gleich von elke erb für den poetenladen rekrutiert wurde, benutzt ebenfalls das ein- oder andere englische wort, wirkt dabei aber souveräner als ihr vorgänger. muss man gedichte allerdings wirklich in "mädchen- und jungstexte" teilen? werde ich sie mal fragen, wenn wir uns das nächste mal sehen. aus ihrem wespengedicht: "an welcher kreuzung werden wir uns ganz am end verheddern?" weitere leseproben gibt es hier.

nico bleutge las vollprofimäßig zum thema erinnerungen versus erfindungen. gut eingeleitete, solide texte. meiner meinung nach der erste dichter, der so gar nicht wie ein dichter aussieht.

philip maroldt (hier zum anlesen auf lyrikmail) war "im gangbangkanal von luxushotels gefangen" und wünschte sich terroranschläge in spandau. gefiel mir von allen am besten. weitere highlights waren die zeilen: "ich besitze alle talente, doch in der mitte meines lebens bin ich in gefahr geraten" und die frage "wer legt einen bypass für gott?"

birgit kreipes arbeiten mochte ich auch sehr gerne, allen gedichten voran das über usedom, das es hier als drittes von oben zu lesen gibt. birgit steht ausserdem kurz vor ihrer ersten einzelveröffentlichung bei fixpoetry.com.

philipp webers gedichte sind im grunde auch sehr gut, klangen allerdings wie nicht mehr fertig - vielleicht zu häufig überarbeitet? highlights: "rückwärts leben, die sprache verneinen" und "das herz in fett eingelegt". eine kritik zu seinen arbeiten von hendrik jackson auf lyrikkritik.de.

catherine hales berührt das publikum mit 'driving through norfolk' und anderen arbeiten, die ich hier bereits zuvor besprochen habe. 

zuletzt liest schließlich tom bresemann, der zu meiner freude stets sein eigenes literarisches süppchen kocht. highlights: "den durchbruch abbrechen" und "auf das notwendige kann ich verzichten".

die besprochene lesung wurde von johann reißer kuratiert, der abgesehen davon, dass er über die gesamte veranstaltung hinweg neben den autoren am lesetisch sitzen blieb, einen wirklich guten job gemacht hat - gratulation zu einer gelungenen lesung in schöner atmosphäre im körnerpark.  

30 May 2010

"songs and poems - or sentences, as i call them" (m. donhauser)

last night i attended a great poetry reading at the literaturhaus berlin, the highlight of which was a reading by oswald egger, the first-ever winner of the recently awarded oskar pastior prize. that prize is a cool prize for two reasons: 1) in his lifetime, oskar pastior saved every penny for a foundation that was meant to financially support 2) experimental, innovative poets. oswald easily lived up to this criterion, as what he read fortright sounded like sylvia plath on LSD: "Ich igelte mich ein wie ein Iltisknauf", "so schopf-, so schädelblanke Felsen", "Ich sah durch die Toten nur Sonne und Knochen, nichts sonst". while oswald's imagery was richer than anything else i had heard in a long time, and while his recital was fantastic, i thought he did miss a timely ending. our minds spun in spite of his (sometimes probably unintendedly) humorous passages, so that following his verbal detours became increasingly difficult.

michael donhauser, who was second to read, had a better gut feeling there. his reading was to the point and sincere. like last time at the lyrikerempfang, it seemed he had dislocated the alphabet in order for it to become landscapes that recall own memories. (work sample.) 

franz josef czernin, who had been the first poet to read, struggled with turning the old idea of the four elements (that he chose to wrap in the old corset of the sonnet) into something modern. a highlight: "Mein Schauen ging (...) nicht verloren." thereafter, he presented his edits of three more poems in a slide show. this was very interesting to see at first, but i found that the novelty of the idea wore off quickly - probably because he had up to fifty slides to show for each poem; or maybe because he flicked through them so fast that even when you wanted to follow his wordplay, you couldn't.

my overall verdict: a worthwile, interesting reading.


28 May 2010

german language difficult language - how is it that so few german novels get translated?

yesterday night i attend a panel discussion on the very broad topic of german translations at the literaturwerkstatt berlin. i'll do my best to give you a quick roundup here.

the discussants were katy derbyshire, who is a professional tranlsator, tilman rammstedt, who won the bachmannpreis 2008 and made this awesome video about his winning story Der Kaiser von China, helge malchow, who is the CEO at publishing house kiepenheuer & witsch (he brought along hist best mate maxim biller), and hans-ulrich treichel who is one of the three heads of the deutsche literaturinstitut leipzig (DLL) and a rather famous author in his own right. moderated by literary critic hubert winkels, who is part of the bachmannpreis 2010 jury, the panel tried to answer the question why so few german publications penetrate the international book market. this question was not answered, of course, but the discussion was still interesting to follow.

malchow explained that the cultural eradication and deprivation during and after the second world war might have caused a backlog with the german people that ultimately led to a great openness regarding all sorts of art and literature. after all, malchow estimated, 50% of KiWi's programme are made up of works written by foreign authors. if it's so easy for them to get published here, why are not half of all published books on foreign markets authored by germans?

certainly not because writers like rammstedt, whose novel has been translated into "six or seven" languages, come to the conclusion that, apart from accompanying commercial aspects, translations "aren't desirable". and probably not because as katy suggested, "german books that aren't about nazis or secret agents just don't interest foreign publishers". they aren't interested, because the limited horizon of our younger authors, as paraphrased by treichel, does not allow for what malchow was looking for in new voices, originality and life experience. (that's what they always say, isn't it, until someone like helene hegemann turns up!) "our authors come to DLL right from school", treichel said, "they shouldn't worry about the literary industry. and anyway, as yet not one newbie has come to me with the desire to be well-known internationally". wow, i thought, these are surprising points from someone dandling one of the largest cradles of german literary talent! only very few people my age that i know have something i would call a locally limited horizon, and most of us put great effort into building international careers. we are interested in many things, and - if i may say so - a far cry from the ethno-centric mindset that might have shaped the thinking of today's average sixty year old.

the assumptions that newer german literature has nothing say just cannot be true. instead, publishers' decisions are influenced by different factors, a kind that, sadly, my generation knows all too well: soft skills and networking! (at this point, bachmannpreis nominee dorothee elmiger taps me on the shoulder, asking whether she could take a look at my event programme? uhm, sure.)

often times translators themselves suggest books they like to their editors, making costly assessment reports redundant for publishers. or it is one particular book that opens a market, like umberto eco's The Name of the Rose that paved the way into the world market for other works of italian fiction.

today, even for internationally established german writers the going is rough: handke, for example, sells only 4.000 novels a year in the US, and these are likely to be the ones that belong to universities and public libraries, malchow assumes. he explains how it is next to impossible to establish accomplished younger writers like christian kracht overseas - not to mention newcomers.

treichel says he once heard people say a book needed to literally travel in order for it to become interesting for the international market (this made me think of crammed and dusty second hand traveller's book stores in south east asia), but we germans "aren't writing to entertain people", after all.

which brings right up the question that i have been asking myself all along: why is no one talking content? katy tried, of course - but has it never occurred to anyone that the world might just not be interested in our often sprawling, precocious content? is intellectualism un-dress up-able?

at least in the US, the number of european translations declines steadily. quite possibly, this has to do at least partly with the global tendency to buy, and thus publish, fewer books. readers nowadays are very likely to gather whatever they're interested in from the internet - aided by services like google books, initiatives like Bachmann Goes Europe and blogs like mine that target culturally interested people across borders (even though my content is berlin-heavy admittedly). also, we must not forget that while the US population is almost four times bigger than ours and therefore should haveat least the same quota of published writers we do, the US already in 2005 only published less than double the number of books than germany did in 2007 (source). [more evidence on my musings here.]

as you can see, the matter is complicated... and who's going to translate this article into german now?

26 March 2010

two readings, one review, and my big mouth

this week, i went to two readings: alistair's and peter's, and the one alexander gumz organised for the launch of his and moritz schramm's ny tysk poesi anthology (arena verlag, kopenhagen, 2009). both were good events and sold out deservedly so.

dialogue berlin provided a great venue, and its owner sharmaine was a great hostess - i'm sure we'll be hearing much more about her events and initiatives soon. i always enjoy literary events in english, as the authors and audience tend to not take themselves as seriously as most germans: a little more fun, a little less intellectual masturbation... which takes me right to the reading on wednesday:

like i said before, the line-up was impressive - and its proximity to KOOKbooks undeniable. one gets the impression that alexander gumz has a couple of people on his speed dial that he rings up whenever reading slots need to be filled. while this is understandable, i would have loved to hear people like raphael urweider or nico bleutge read for a change, poets that are also featured in the anthology, but that you don't hear of as much.

highlights of the reading included:

"oh, danke, nacht, geh heim nach finnland"  ["oh, thank you, night, go home to finland"] - steffen popp
"dein kanarienvogel sah heute so seltsam aus" ["your canary looked somewhat strange today"] - daniel falb
"schön wäre ein regen nach oben" ["i'd like an upward rain"] - ron winkler

09 March 2010

martin suter tries a whole new position

via a friend i got a ticket for yesterday night's martin suter book premiere of Der Koch at the sold-out babylon cinema in berlin mitte. all i knew about martin was that one of his kids choked on a bite of sausage and that he was swiss. the woman next to me said his best book was Die dunkle Seite des Mondes (indeed a reference to pink floyd's dark side of the moon), in which some yuppie guy starts eating magic mushrooms. because there were so many people at the reading, the host asked the audience to abstain from making martin write too long a dedication at the book-signing afterwards. wow. and because of bad lighting, it took martin a while to figure out how best to hold his book in order to see properly and not blind the audience with his reading lamp. "hang on", he said, "i'm going to try a whole new position". i might be mistaken here, but i think that was his best sentence of the night. runner-ups from his novel: "her good looks not only helped her find a job, they also gave her a hard time keeping it." and "[there they sat,] all with their tall, thin, blond second wives." ha.

the novel itself still came across as an erotic cookbook, though, sprinkled with some flakes of international politics. and while i liked how wide parts of it were open-minded and well-written, and also the fact that martin read with a thick swiss accent that reminded me of home, i couldn't refrain from leaving the hall halfway through. oops.

24 February 2010

last year's winners: der lyrikerempfang 2009 im roten rathaus zu berlin

last night i attended an event called lyrikpreisträger 2009 in berlin's red town hall. the event was organized by the berlin literaturwerkstatt and, lucky you, i took a bunch of notes there. they might explain why i left halfway through.

1000 Preise für Prosa, 6 für Lyrik

thomas wohlfahrt, the head of the berlin literaturwerkstatt, claimed there are only awarded six prizes for poetry in germany every year. i am not sure exactly why only six, as prizes like the bi-annual dresdner lyrikpreis or the annual clemens-brentano-preis obviously didn't make it onto his list (Open Mike, Georg-Trakl-Preis, Peter-Huchel-Preis, Poesiepreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, Leonce-und-Lena-Preis, Ernst-Jandl-Preis).

lyrik braucht einen anders gearteten medialen auftritt (stimme?) "lyrik hat ihre sozialen orte verloren"
monika rink was quoted: "schluss mit den grabreden auf die lyrik!"

now, this is interesting. i wonder why nobody thought of the internet as an outlet for poetry. but it really is not just the web; i found this very interesting article on the maths of poetry the other day. david alpaugh claims that all in all, "approximately 86 million poems will be published in the 21st century" - now that's something, no?

then konstantin ames, the winner of 2009's open mike and a graduate of the dubious poetry hit factory of the deutsche literaturinstitut leipzig, read a couple of not-so-great lines like "sieht (...) noch nicht das loch im kopf stein pflaster" and used a couple of the obligatory words in contemporary german literature: "pisse, kot, nackt, urin, bang" sigh.

next was barbara köhler who must have tricked someone into thinking she can write impressed the experts very much. in the 1980s, she, too, had studied at the DLL. her first words on stage were "der text, den ich lese, ist nicht 'mal lyrik" and they were a huge turn-off. she started reading some incoherent words prose and in the light of the current debate on plagiarism here in germany, i was bothered by her book's title "niemands frau" which i previously knew both as a song by anouk of 1997 and a manuscript by jack kerouac's second wife, joan kerouac. also, barbara's delivery looked and sounded a lot like bas böttcher's (only much staler) and that didn't go down well with me, either. her best words were interferenz, wellen, löschen (two of the three previously known from, for example, hendrik jackson's perfect (!) poem rauschen). and for all that confusion brilliance the kulturkreis der deutschen wirtschaft awarded her 10.000 euros. wow.

finally, michael donhauser from switzerland, the winner of the georg trakl prize, read. i was relieved: he was by far the best poet, dressed much better than the previous two, and read much more clearly. i didn't mind him talking about fruit trees, nor his sparkling necklace, and i liked his rather corny choice of words: nacht, traum, verglimmen, tränen he read great, grown-up poetry that evaded kitsch yet still produced some credible emotion.

after donhauser everybody was thirsty and bored, and there should have been a break, but instead some musician continued right on. so when ferdinand schmatz, the winner of the ernst jandl prize, finished reading, i left. he had started off well, a little more experimental than donhauser, but seemed to lose track in the middle of his first poem somewhere: schall, nesseln, näselnde asseln - stampft her ins gestiefelte ... i just stampfed home.

12 February 2010

"Willkommen in Absurdistan: Hegemann für Leipzig nominiert" - Ein Kommentar von Oliver Bottini

Über Qualität kann und soll man streiten. Manche mögen Helene Hegemanns "Axolotl Roadkill" für großartig und literarisch halten, manchen rollen sich bei der Lektüre die Zehennägel hoch. Das ist in Ordnung, denn was gefällt, ist subjektiv – selbst wenn die, denen es gefällt, beeindruckende literarische Geschütze ins Feld fahren, um die behauptete Qualität zu objektivieren (was naturgemäß nicht gelingt).


Über Plagiate dagegen kann und soll man nicht streiten. Seit Tagen weiß man, dass Hegemann sowohl wörtlich bei anderen Autoren abgeschrieben als auch fremde Ideen ungefragt verwendet hat. Wie kann eine exquisit besetzte Jury einen Roman für einen wichtigen Literaturpreis nominieren, wenn ihr bekannt ist, dass die Autorin Urheberrechte verletzt und bei anderen, erst nachträglich benannten Autoren abgekupfert hat?


Dass der Roman vor den Plagiatsvorwürfen auf die Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse gekommen ist – nun gut, das muss man nicht verstehen, aber akzeptieren (s.o.). Die Veröffentlichung der Shortlist jedoch fand am gestrigen Donnerstag (11.2.) statt, als die Plagiate längst nachgewiesen waren. Trotzdem hat die Jury den Roman nicht von der Liste gestrichen, und das ist dreist und skandalös. Man mag seinen Ohren und Augen kaum trauen: Die Jury-Vorsitzende Verena Auffermann rechtfertigte die Entscheidung am Donnerstag gegenüber der dpa damit, dass "'diese junge Frau [...] unserer Auffassung nach extrem begabt'" sei und Hegemanns Verlag bestätigt habe, "dass im Urheberrechtsstreit 'alles einen ordentlichen Weg geht'". (SPIEGEL) Juristisch betrachtet mag das stimmen, falls tatsächlich alle Genehmigungen nun eingeholt und die Urheber adäquat bezahlt werden. Literarisch betrachtet ist diese Aussage ein Armutszeugnis, schließlich lässt sich angesichts der Arbeitsweise der "begabten Autorin" schwerlich nachvollziehen, welche Sätze, Wörter, Figuren, Plots originär ihrer Fantasie entstammen und welche der Fantasie anderer.


Die Jury-Entscheidung bringt den Preise der Leipziger Buchmesse in Verruf, die Jury sowieso, dazu einen Gutteil der Buchbranche mit Verlagen, Agenten und Feuilletonisten – allerorten hört und liest man verschwurbelte Rechtfertigungen, Ausreden, Beschwichtigungen. Plagiat? Ach, alles halb so wild. Und man beginnt im Elfenbeinturm, sich über die Aufregung zu amüsieren – der Skandal als "lustige Abschreib-Affäre" (DIE ZEIT), Hegemann auf einem "lobenswert unordentlichen Pfad" (SPIEGEL).


Ja, habt ihr sie noch alle?


Oliver Bottini

08 February 2010

"i'd like to thank my parents and the internet"

helene hegemann is a german seventeen-year-old who has put together written a book on sex and drugs that has a very weird title. given these three factors and a decent marketing campaign, it doesn't come as a surprise that the book became a bestseller within weeks of publication. when a blogger from munich discovered, however, that wide parts of her book were copied from another blogger from berlin, the scandal was perfect. if it was a scandal at all, of course, and not just another ole marketing trick.

i wasn't originally going to comment on her work (i'm still not intending to read it), but after coming across helene's meddlesome apology where she says that she's habitually stealing inspiration from anyone, and that that was how the youth after the year 2000 operated, i would like to take the opportunity and disagree with her: just because you move about in cyberspace at your peer group's own liking, you're not allowed to randomly incorporate into your work whatever it is you might take a fancy to along the way. certainly not without indication of source, anyway.

building your reputation on other people's ideas (the final letter in helene's book appears to be a translation of the lyrics to a song called fuck you by archive) is not ok at all. but how could a teenager have known better? well, at least the feature writers who have praised her literary talent (DIE ZEIT, FAZ, ...) should have. bad enough that her publishing house practically denies responsibility concerning helene's plagiarism, stating that 'the author hasn't elaborated on sources used and by that underestimated the consequences of her decision to use citations from the net' (source) - as if contracting teenagers to sell them out aid their career automatically made the kids themselves responsible for surviving on the literary market.

as much as i hope for helene that she will understand her mistakes and will start to value other people's artistic work in a decent manner, i hope that she will leave the shark tank of the literary business as self confident as she dived into it. and as for sukultur, the publishing house that published the book where helene helped herself, and airen, its author, i hope they will collect adequate compensation. (press release regarding the matter on sukultur's homepage.)


UPDATE + + check out my friend katy's blog, too, she has a different opinion! + + UPDATE

30 December 2009

the 50 books 'challenge'

adriana, an old school friend of mine, challenged me to read 50 books in 2010 and share my thoughts on them with her on facebook. i figured this might be of interest to you guys, too.

50 sounded a lot to me at first, but i guess this is just because my own reading has become very uncoordinated, reading bits and pieces here and there, and because i have long lost my habit of focusing on just one book at a time. nowadays, i am usually reading three simultaneously: one for pleasure, one for study, and a light one of either kind to bring on the train.

currently, these are:
susan sontag's early diaries,
sol stein's stein on writing,
and i just finished stefan zweig's fear.

here are my thoughts on fear (i won't give you a summary of the book, though, cause i think blurbs make books boring and create a fake experience of literature - no one should be knowing what's about to happen in advance!):

stefan zweig wrote fear in vienna in 1910, but only published the novella in 1925 after thoroughly revising it. i quite liked it, although it didn't take me all too long to figure out its plot. however, fear was still written interestingly enough to finish reading it. i find that zweig was very good at describing his characters and their emotions; in my humble opinion, he sometimes overdid that a little in fear, yet he managed to cut long descriptions just when they started to get annoying. all in all, fear is a recommendable read if you're looking for something brief and entertaining.

29 September 2009

my debut on www.lyrikkritik.de

i wrote a little mood piece called Politikpoeten on the evening over at SO36 (event invite see below) and hendrik jackson was kind enough to put it up amongst his Laufbotschaften.

13 April 2009